August 15, 2017

Wie Sie Dankbarkeit wieder Bedutung geben

Es scheint mir, als komme uns die Dankbarkeit einander gegenüber abhanden. Warum Dankbarkeit für mich so wichtig ist, erläutere ich hier.

Wie Sie Dankbarkeit wieder Bedutung geben

Als ich kürzlich in ein großes Warenhaus eintrat, hielt ich, wie ich es immer tue, die Tür für einen nach mir eintretenden jungen Mann auf. Er eilte wortlos an mir vorbei und verschwand in der Menge. Als ich später an der Kasse bezahlte, gab sich die Angestellte große Mühe, der Kundin vor mir behilflich zu sein, ihre Einkäufe zusammenzufalten und in eine Tüte zu packen. Die Kundin zahlte mit der EC-Karte, murmelte ein kurzes „Danke“ und machte sich auf den Weg hinaus.

Immer wieder mache ich solche Beobachtungen, in denen Menschen die Hilfe oder Unterstützung anderer oder ihre netten Gesten, fast unbeachtet lassen. Gerade dann, wenn es um Dienstleistungen geht — sei es im öffentlichen Nahverkehr, beim Einkaufen, der Müllentsorgung oder gegenüber den Post- oder Paketboten — scheint es mir, als nähmen viele Menschen diese einfach als gegeben hin. Bis sie einmal nicht funktionieren.

Achtsame Dankbarkeit

Ich versuche, auch in meiner Dankbarkeit Achtsamkeit walten zu lassen. Achtsame oder aufmerksame Dankbarkeit bedeutet zunächst, dass ich meinem Gegenüber deutlich signalisiere, dass ich ihn oder sie wahrnehme. Da reicht schon ein einfacher freundlicher Blick. Wenn ich dann noch authentische Dankbarkeit zum Ausdruck bringen will, belasse es nicht bei einem einfach hingeworfenen „Danke“, sondern fülle dieses zusätzlich auf, um ihm Gewicht zu geben: „Danke, das ist sehr lieb von Ihnen / Danke, das hilft mir wirklich / Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung …“

Es muss nicht viel sein, was wir um ein einfaches „Danke“ herum packen, aber es bringt sehr deutlich zum Ausdruck, dass wir das Bemühen des Anderen wahrnehmen und bewusst anerkennen — und uns diese Anerkennung die Mühe einiger zusätzlicher Wörter wert ist.

Vielleicht sind Sie der Meinung, das sei kleinlich. Aber die Kleinigkeiten geben in solchen Momenten den Ausschlag. Sie machen einen großen und wertvollen Unterschied für denjenigen, der diesen Dank empfängt. Sie geben dem Anderen das Gefühl, in diesem Moment wirklich einen hilfreichen Unterschied für den Anderen zu machen. In der Resilienzlehre sprechen wir von „Selbstwirksamkeit“, also der Erfahrung, dass das eigene Handeln einen spürbaren Einfluss auf das Umfeld ausübt. Diese Erfahrung ist eines der wichtigsten Elemente zur Stärkung der seelischen Widerstandskräfte und daher für jeden Menschen wichtig.

Sich selber danken hält gesund

Was aber gegenüber anderen gilt, gilt auch gegenüber uns selbst. Wann haben Sie sich das letzte Mal für etwas gedankt? Oder nehmen Sie auch Ihre eigenen Leistungen als gegeben hin? Es ist ein gutes Gefühl, auch sich selber regelmäßig ein großes Dankeschön zu schenken, z.B. wenn das leckere Essen schließlich auf dem Tisch steht, Sie die längere Entfernung beim Laufen bewältigt oder einfach pünktlich den Zug erreicht haben. In diesen Momenten dürfen Sie Dankbarkeit erleben und zum Ausdruck bringen. Dieser Dank wirkt als positiver Gegenpol zu dem ganzen Ärger über uns selber, wenn Dinge einmal nicht funktionieren.

Unser Geist braucht diese Balance, um gesund zu bleiben. Das Unterbewusstsein spürt diese Dankbarkeit und speichert sie. Das positive Gefühl stärkt das eigene Selbstbewusstsein und hebt den Selbstwert. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Anerkennung von uns oder von anderen kommt.

Vielleicht haben Sie Lust, in der nächsten Zeit einfach ein wenig mehr darauf zu achten, wofür Sie dankbar sind bzw. sein können und dieses sich und anderen zum Ausdruck zu bringen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Sie bedeutet mir viel.

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