05 Februar 2015

Es ist, wie es ist,
spricht die Liebe.

Morgenmeditation

Den rechten Stand finden.

Verwurzelt sein im Boden,
aufgerichtet durch einen unsichtbaren seidenen Faden am Scheitel.

Den Körper abklopfen und
danach spüren, wie ich mich heute wahrnehme.

Die Hände schulterbreit und -hoch halten,
den Zwischenraum spüren.

Impuls des Tages

Der Vater antwortete ihm:
Mein Kind, Du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch Dein.
Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern;
Denn Dein Bruder war tot und lebt wieder;
Er war verloren und ist wieder gefunden worden.
Lk 15,31

"Der verlorene Sohn" (Sieger Köder)

Natürlich ist der zweite Sohn gekränkt. Jeder von uns würde genauso reagieren. Er macht alles recht und bekommt keine Anerkennung. Der aber, der vermeintlich unrecht handelt, bleibt in der Gunst des Vaters. Aber der weise Mann löst auch dieses auf. Er liebt eben beide Söhne, weil sie seine Söhne sind. Punkt. Kein Aber, keine Konditionen. Sei es, wie es sei. Und darin hat ein fataler Begriff wie Sünde keinen Platz.

Es ist die einzige Sünde,
sich nicht lieben zu lassen.

Häufig tun die Menschen viel oder werden gar dazu genötigt, um Gott näher zu sein, besser vor ihm da zu stehen, seines Reiches würdig zu werden. Aber es sind Menschen, die diese Regeln aufstellen, nicht Gott. Dieser spricht in der lukasischen Textstelle eine völlig andere Sprache. Und das ist gut so. Das sagt nicht, dass ich die Fehler, die ich an anderen Menschen mache, einfach stehen lassen soll. Für den anderen und für unser beider Frieden ist es wichtig, Fehler zu erkennen und gut zu machen, wenn es geht. Aber ich bekomme keinen Eintrag in das göttliche Klassenbuch und werde beim Eingang in sein Reich bewertet. - wobei durchaus interessant wäre, wie sich “nicht versetzt” auswirken würde.

Mein Tag

Ich bin heute wieder den ganzen Weg entlang des Baches auf und ab gegangen. An der Donau habe ich lange gesessen und mein Sein genossen. Ich habe einem verkeilten Ast die Freiheit geschenkt und hoffe, dass er nun fröhlich die Donau abwärts treibt.

Schon die Tatsache, dass ich vor- und nachmittags mehrere Stunden nur für mich habe, die ich hier auch gar nicht füllen kann, ist ein riesiges Geschenk. Diese Routine will ich mir auch zuhause schaffen, Ich weiss, dass Jenny mir die Freiheit geben wird - und ich will diese Art Großzügigkeit ebenfalls lernen.

Geborgen in Dir

Geborgen in dir, Gott, atme ich ein,
schöpfe ich Hoffnung aus Brot und Wein.
Geborgen in dir, Gott, lasse ich los
und liege sicher in Mutters Schoß.
Geborgen in dir, Gott, ruhe ich aus
Bin ich zufrieden, bei dir zuhaus.

Gerufen von Dir, Gott, horche ich hin,
sinne ich nach , wer ich wohl bin.
Gerufen von Dir, Gott, bin ich genannt
bei meinem Namen in deiner Hand.
Gerufen von Dir, Gott, sage ich ja,
durch dich ganz einmalig bin ich ja.

Gerufen von dir, Gott, wache ich auf,
beginne tastend den Tageslauf.
Gehalten von Dir, Gott, stehe ich fest,
gehe und lebe, weil du mich lässt.
Geborgen in Dir, Gott, schlafe ich ein
an jedem Abend, denn ich bin dein.

“Geborgen in dir, Gott” (ES, 298) - YouTube

Abend

Es ist Abend. Wir haben mit 17 Leuten Gottesdienst in der Friedenskirche gefeiert. Thomas bat mich, mein Gebet vorzulesen. Laut gelesen im Klang der Kirche was das schon etwas Besonderes. Es klingt tatsächlich sehr schön.

Jetzt bin ich auf meinem Zimmer. Ich freue mich auf die Nacht und den Schlaf, freue mich darauf, morgen früh aufzuwachen und einen neuen Tag zu beginnen.

Die Routine, die Thomas und ich mit Morgengebet, Frühstück, Mittagsgebet, Mittagessen und Abendgebet geschaffen haben, tut mir sehr gut, entspannt mich und gibt mir eine Leitlinie im Tag. Ich will wirklich schauen, dass ich davon etwas in den Tag zuhause hinüber rette, vor allem an Tagen, an denen ich nicht alleine zuhause bin. Im Kopf habe ich schon Ideen skizziert, wie ich mir mit Tüchern im Keller einen Raum in all dem Gewusel schaffen möchte.

Gute Nacht

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir, was mich fördert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.

(Nikolaus von Flüe)