Morgenmeditation

Stehend den Körper abklopfen,
nacheinander die Beine von unten nach oben,
die Hüfte, den Bauch und die Brust, dann die Schultern.
Nacheinander beide Arme von oben nach unten und retour.

Dann den Nacken, den Kopf
(als würde Regen darauf fallen),
danach Gesicht und Hals.

Den richtigen Stand suchen und ausstrecken.
Dann die Arme seitlich hängen lassen und spüren,
wie ich mich fühle.
Mich spüren.


Be still, for the presence of the Lord, the Holy One is here.

Auch wenn ich die Melodie nicht mehr vollständig zusammen bekomme, ist diese Zeile seit gestern Abend bei mir.

Während des Frühstücks mit Thomas wurde mir darüber hinaus bewusst, dass es eine sehr schöne Bibelstelle gibt mit Bezug auf meinen aktuellen Erkenntnisweg:

Ein Jedes hat seine Zeit. (KOH 3)

Was ich tue, will ich bewusst tun, will hier sein in diesem Tun.

Wenn ich esse, dann esse ich - ich lese nicht, sehe nicht fern oder arbeite sogar. Diese Bibelstelle ist die ultimative Absage an Multi-Tasking.

Als wir gestern schweigend zu Mittag gegessen haben, habe ich so ruhig und bewusst gegessen, wie schon lange nicht mehr. Ich habe jeden Bissen bewusst gekaut und genossen, Es war für mich deutlich spürbar, wie groß die Befriedigung nach dem Essen war. Auch zum Abendessen habe ich das getan. Ich hatte mir eine kleine Schale Nudelsalat mitgenommen und eine Laugenstange. Normalerweise hätte ich beides in wenigen Minuten verspeist, daneben noch Facebook gecheckt oder etwas gelesen.

So habe ich mir 20 Minuten Zeit genommen und habe mich voll auf mein Essen konzentriert. Ich war danach von einer recht kleinen Portion sehr schön satt und zufrieden. Vor allem aber habe ich mich in einer Ruhe geübt, nicht alle Dinge gleichzeitig zu machen, sondern mir bewusst für genau eines Zeit und Ruhe zu nehmen.

Das möchte ich gerne zuhause fortsetzen. Ich möchte frühstücken ohne Zeitung. Wenn ich einen Kaffee trinken möchte, dann nehme ich den nicht mit an den Schreibtisch. Wenn ich telefoniere, telefoniere ich - und wenn ich schreibe, schreibe ich. Das muss doch machbar sein.

Auch das fällt unter den Begriff Fokus in Schroeters „Bin am Meer“. Dem Zeit geben, was dran ist - aber auch nur dem. Alles andere bekommt seine Zeit.

Hier und jetzt ist ein wirklich schöner Ort.

Impuls des Tages

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazareth in Galliläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser steig, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:

„Du bist mein geliebter Sohn an dir habe ich Gefallen gefunden.“ Mk 1, 9-11

Geliebt sein

Mein Impuls für den Tag überfordert mich fast. Jeder kennt diese Bibelstelle. Ich höre sie immer und bin berührt, dass Gott sich zum ersten Mal zu Jesus als seinen Sohn bekennt und ihn öffentlich als solches anruft - und ihn damit auf eine Mission mit bekanntem Ausgang entsendet.

Thomas hat diesen Ruf auf mich bezogen. Ich als Sein geliebter Sohn, der in der Taufe Seinen Namen bekommen.

Ich als Sein Sohn, als Sohn Gottes?

Mir scheint dieser Gedanke überwältigend, ja anmaßend. Wieso sollte ich das annehmen,? Womit sollte ich das verdient haben. Aber ich muss es nicht erst verdienen. Es ist mir von Ihm einfach zugesagt; ohne Forderungen oder Erwartungen. In der Taufe hat er auch mich angenommen.

Was mich in diesen Gedanken wirklich fordert ist der Begriff der Liebe, der für mich in seiner Bedeutung über allem steht, ja noch über dem Leben selbst.

Die Liebe ist in ihrer Macht und Einzigartigkeit für mich einmalig - vor allem seit ich erstmals eine solche Liebe von einer Frau an meiner Seite erfahre. Es liegt vielleicht daran, dass die Liebe in meiner Kindheit kaum Gegenwart hatte, vor allem dann nicht, als ich sie am Dringendsten gebraucht hätte. Mit zwölf war mir auch die bedingungslos gegenwärtige Liebe Gottes nicht bewusst und ich bin mir nicht sicher, ob sie für mich von entscheidender Bedeutung gewesen wäre, ob sie mich damals hätte trösten können.

Also wendet sich Gott auch mir zu. Fast ungläubig nahm ich diesen Gedanken mit mir durch den Tag. Was bedeutet das für mich?

Ich bin geliebt nur durch das, was und wer ich bin. Er mißt keine Ergebnisse, er sucht keine Optimierungsfelder, er bewertet mich nicht. Ich bin würdig einer derart kraftvollen Liebe nur durch mein Sein.

Sein

Ein Sein, dessen ich mir hier bewusster werde. Auch wenn ich auf meinen Spaziergängen noch Mühe habe, wirklich zu spüren, dass ich bin - bei mir bin. Wie genau geht das? Wie spüre ich das? In der Meditation komme ich mir näher. Durch die Übungen, mit denen mich Thomas bekannt macht, spüre ich mich, meinen Körper, aber auch meinen Geist, die Aktivität in mir.

Im Gespräch vertiefen wir, was es bedeutet, zu sein. Zu nehmen, was ist und damit im Dialog zu sein. Sowohl mit der Stille, den zufälligen Gedanken, den Signalen des Körpers, aber auch mit allen Gefühlen. Mit der Verzweiflung im Dialog zu sein, mit der Trauer, mit der Enttäuschung. Hören, was sie mir sagen wollen. Hören! Still sein bedeutet, besser zuhören zu können. Was bedeuten meine Gefühle? Wie kann ich mit ihnen Dialog halten?

Teile von mir

Alle Gefühle sind ein Teil von mir. Auch wenn sie mich belasten. Wie mein Schatten bei Sonnenschein kann ich auch diesen Schatten in mir nicht davon laufen. Sie sind Teil von mir uns als solches gewollt und auch mit mir angenommen von Gott.

Was auch immer ich an Angst und Sorge in mir habe, werde ich durch Wegdrücken und Davonlaufen nicht besser machen. Lasse ich sie allerdings als Teil von mir zu, kann ich mich mit ihnen auseinander setzen und sie annehmen, einordnen in mein Leben und auch ihnen Raum geben.

Ich bin geliebt und angenommen. Ich muss dafür gar nichts tun. Ich muss nicht stark sein. Ich muss nicht besser sein. Kein höher, weiter, schneller.

Wenn ich in mir bin, ist Gott in mir. Er sieht mich, er kann mich spüren, wie ich ihn, Er liebt mich, wie ich ihn.


Abendmeditation

Sitzend zur Ruhe kommen,
entspannen
und alles einfach sein lassen.

Den Atem spüren.
Das Vater unser.

Eine Zeit, z.B. 15 min, in Einkehr verbringen,
dabei sein, aufmerksam sein,
mit Interesse dabei sein, dabei bleiben.

Beim Gong verneigen, aufstehen
und zwei Runden langsam und bewusst gehen.
Wieder setzen und
wieder eine Zeit in Einkehr verbringen.

Nach dem zweiten Gong zum Abschluss beten.