Für einen Kunden bereite ich gerade eine Gedankensammlung vor, mit welchen Methoden dieser seine Mitarbeiter dazu motivieren kann, stärker Wissen und Informationen öffentlich zu teilen.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich, dass es bei meinem früheren Arbeitgeber für viele Berater wichtig war, einen geeingneten "Werkzeugkasten" zu haben, aus dem man immer neue Maßnahmen hervorzaubern konnte, sobald der Kunde danach fragte. Heute denke ich anders über diesen Ansatz, weil ich Veränderung eher vom Individuum her betrachte, als die "Mitarbeiterschaft" als einen homogenen Kreis von Menschen zu betrachten.

Motivation

Viele Experten sind sich einig, dass Dinge nur dann wirklich funtkionieren, wenn die Initiative und der Antrieb vom Mitarbeiter selber kommt, also intrinsisch und freiwillig erfolgt. Kein Arbeitgeber der Welt kann Leistung verordnen und anweisen ... also: man KANN schon, aber es wird wirkungslos bleiben.

Von Bedeutung ist also die Motivation des bzw. der Mitarbeiter. Bei diesem Thema wird aus meiner Sicht aber häufig ein Gedankenfehler gemacht: Man geht davon aus, dass Menschen motiviert werden können. Motivation ist allerdings, wie gesagt, ein Konzept, das im Individuum existiert und wirkt. Sie ist die individuelle Reaktion des Menschen auf einen gegebenen Kontext. Was in mir Motivation auslöst, macht mit anderen Menschen gar nichts.

Deswegen kann man - in meinem Verständnis - Menschen nicht "motivieren": Man kann bestenfalls Kontexte verfügbar machen, die in Menschen eine Bereitschaft zur (Mit)Wirkung erzeugen- ohne Garantie und vor allem ohne Allgemeinheitsanspruch. Die generelle "Motivierung" einer heterogenen Menschengruppe ist (in oder über einen einzigen Kontext) also unmöglich.

Kontexte bringen folgende Fallstricke mit sich:

  • Sie sind nicht homogen; jeder Mensch empfindet ein und dieselbe gegebene Situation sehr unterschiedlich.
  • Sie wandeln sich ständig; jeden Tag kann der Kontext eines Mitarbeiters völlig anders aussehen.
  • Sie reichen weit über das Arbeitsumfeld hinaus; ein Mitarbeiter ist immer Teil vieler Lebensumfelder, die unmittelbar aufeinander wirken.
  • Sie sind nicht in Worte zu fassen; weder das Individuum selber noch ein Außenstehender können gesamtheitlich erfassen, wie die aktuellen Gegebenheiten des Lebens für den Einzelnen zusammenspielen.

Motivationsmatrix

Auf der Suche nach Faktoren, die Mitarbeiter zur Zusammenarbeit anregen können, bin ich schlußendlich auf das nachstehende Bild gekommen.

Es braucht als Basis zwei wesentliche Voraussetzungen: Vertrauen des Unternehmens in seine Mitarbeiter und das Selbstverständnis des Mitarbeiters von Wert bzw. Bedeutung zu sein. Ohne diese Grundlagen wird der aktive Wille zur Zusammenarbeit nicht zu entwickeln sein.

Leistung lebt demnach von Freiwilligkeit. Diese muss im Menschen vorhanden sein bzw. entstehen. Intrinsische Einflussfaktoren sind jene, die die Frage beantworten "Was bringt's mir?" - wie also profitiere ich selber von meinem Engagement. Die Begriffe im Bild sind damit auch nur Platzhalter für die individuellen Motive von Menschen. Diese Motive sind der Antreiber, quasi die Energiequelle für den Einzelnen. Nur diese Motive können den Menschen (intrinsisch!) motivieren.

Die äußeren Einflussfaktoren* können bei grundsätzlich bestehender Motivation als Auslöser dienen (quasi als Kontext-Schaffer). Der Mensch fühlt sich z.B. durch Kollegen animiert, selber aktiv zu werden oder reagiert auf einen expliziten Bedarf, z.B. die Anfrage, eines Kollegen. Auch hier sind die Faktoren sicherlich beliebig und individuell sehr unterschiedlich. Auch denke ich, dass es bei ausreichend starken intrinsischen Motiven keines externen Auslösers bedarf (was zu überprüfen wäre).

Geld ist einer der äußeren Anreize, die aus meiner Sicht heute völlig überbewertet werden. Viele Unternehmensleiter glauben weiterhin über Geld die Bereitschaft der Menschen im Unternehmen steuern zu können und blicken dabei an der sozialen und wirtschaftlichen Realität vorbei.

Zusammenfassend...

... bedeutet dies, dass Motivation im Menschen im Rahmen eines fruchtbaren Kontextes entsteht und das entsprechende Handeln ggf. von äußeren Faktoren ausgelöst wird.

Anreize nichts anderes als "Kontext-Helfer", deren Wirksamkeit abhängig davon ist, auf wen sie in welcher Situation, in welchem Kontext wirken. Diese Wirkung ist aber weder berechenbar, noch steuerbar.

Hört auf, Menschen motivieren zu wollen

Ein Mensch, der willens ist, seinen Teil zum Gelingen einer Unternehmung beizutragen, braucht keinen Anschub von Außen. Er braucht ein Feld, auf dem er agieren kann und in dem er sich wirksam fühlt.

Menschen, die aus gegebenen Gründen Unterstützung brauchen, ihre Motivation zu entfalten, sollten die Möglichkeit bekommen, herauszufinden, was ihnen fehlt und dies entsprechend gezielt einzufordern. Ein Unternehmen braucht dafür Vertrauen, Geduld und Flexibilität.


* Mir ist bewusst, dass ich hier ein anderes Bild habe, als die Wissenschaft, die auch von "extrinsischer" Motivation spricht. In der enstprechenden Definition (z.B. "Macht" als extrinsische Motivation) wird aber aus meiner Sicht ein intrinsischer Motivationsfaktor (also z.B. der Drang nach Macht) durch einen extrinsischen Auslöser (z.B. an Macht gelangen zu können) hervorgerufen. Die "Motivation" selber, als der "bewegende" Faktor liegt aber immer im Menschen selber.