Ich glaube, ich habe mich noch nie so häufig an einem Tag gefragt, was nun eigentlich wahr ist und was nicht. Grundsätzlich bin ich Anhänger der Sichtweise, dass nichts wahr ist, weil alles, was wir wahrnehmen oder denken, wahrzunehmen, Konstrukt unseres eigenen Geistes ist. Zusammengestellt aus unseren Erfahrungen und garniert mit unseren Werten und Überzeugungen.

Schaue ich mir aber an, wie aktuell die Menschen mit der gegebenen Situation umgehen, so frage ich mich tatsächlich selber, was eigentlich mein Blick auf die derzeitige Lage ist. Eines ist dabei klar: Erfahrungen hat niemand mit einer vergleichbaren Situation gemacht. Vielleicht ist das einfach auch der Grund, dass soviel Unsicherheit herrscht. Menschen wollen zurück zur Normalität. Sie wollen zurück auf ein Territorium, das sie kennen, einschätzen und handhaben können. Sie wollen ganz einfach Kontrolle zurück - oder was sie aus der Vor-Covid-zeit als Kontrolle in Erinnerung zu haben meinen! Aber was ist schon normal- in einer Gegenwart, die eine bisher unbekannte Herausforderung darstellt.

Unbekannte Herausforderung oder politisches Kalkül?

Oder ist diese Herausforderung gar nicht unbekannt, weil sie schlichtweg nicht existent ist? Wir lesen und hören von vermeintlichen Experten, die sagen, der Virus sei eine potentielle Katastrophe, wenn man ihn nicht ernst nimmt und andere ebenso vermeintliche Experten halten das für Panikmache. Wir werden mit Einschränkungen konfrontiert, die in ihrer Auslegung konsequent scheinen, dann aber plötzlich schrittweise aufgehoben werden. Und schließlich bekennen unsere Politiker - von denen man solches nicht häufig hört -, dass auch sie am Ende ihres Latein angekommen sind.

Werden wir also aus politische Motivation in die Kontaktsperre getrieben, weil unsere Entscheidungsträger keine andere Lösung haben, weil auch sie - wie auch die Wissenschaften - keinen angemessenen Handlungsfahrplan parat haben? Sollen wir unserer Grundrechte beraubt werden, weil unsere Politiker erkannt haben, dass jetzt die Gelegenheit ist, endlich ein Staatssystem der Unfreiheit zu etablieren?

Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie denken.
(Heinz Erhardt)

Keine Sicherheit

Wir spüren - und ich denke, das macht mich so unruhig - dass es derzeit keinerlei Sicherheit gibt. Es gibt niemanden, der sagt „Hier geht’s lang.“ Die einen Staaten machen es so, die anderen so - und je nach Aspekt, den die Einzelnen selbst betonen wollen, greifen sie sich diesen oder jenen Staat als Vorbild. Schweden, Taiwan oder Südkorea. Alles geht. Nur darin, dass es Unfug ist, Desinfektionsmittel zu spritzen, scheinen sich alle einig zu sein - bis auf die Einwohner ein kleinen weissen Hauses in den USA.

Diese Suche nach Sicherheit, dieser Wunsch, am Ende in der Rückschau nicht völlig (womöglich peinlich) falsch mit meiner eigenen Sicht der Dinge gelegen zu haben, kostet mich Kraft. Ich lese deutlich mehr Beiträge auf den sozialen Medien in der Hoffnung, den einen zu finden, der mir einen Anker gibt - und sei er noch so klein. Aber ich merke, wie die Unsicherheit bleibt. Wie ich schwanke zwischen meiner Überzeugung und der Frage, ob es nicht doch völlig anders sein könnte und ich mir später sagen müsste, dass ich das hätte wissen können.

An diesem Punkt hilft mir dann auch meine seit einigen Jahren recht sattelfeste Gleichgültigkeit nicht weiter. Mir fehlt eben - wie allen anderen auch - eine auch nur annähernd vergleichbare Erfahrung, die mir bei der Bewertung irgendwie helfen könnte.

Oder ist am Ende doch alles ein Coup, den unsere Wirtschaftsmächtigen und die ihnen hörigen Politiker jetzt starten, um auf dem Rücken dieser Krise endlich DAS System zu bauen, das sie immer haben wollten? Oder ist das tatsächlich ein Testlauf des chinesischen Militärs, mit Hilfe eines einfachen Virus die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Ich weiss es nicht und das macht mich nervös. Bei einem bin ich mir allerdings völlig sicher: Desinfektionsmittel spritzen oder Bleiche trinken werde ich deswegen nicht.