Juli 14, 2018

Ich entscheide, wie ich empfinde

Wir können viele Aspekte unseres Lebens und unserer Gefühlswelt aktiv positiv beeinflussen. Dennoch entscheiden wir uns häufig passiver Beifahrer zu sein.

Ich entscheide, wie ich empfinde

Stellen Sie sich vor, Sie säßen auf dem Beifahrersitz eines Fahrzeugs. An einer Kreuzung biegt der Fahrer rechts ab, obwohl er hätte links abbiegen sollen. Als Sie den Fahrer darauf aufmerksam machen, ist die Antwort: “Ich kann nur rechts abbiegen, links kann ich nicht.”

Würde Sie eine solche Aussage erstaunen? “Wer rechts kann, kann doch auch links”, würden Sie sich vermutlich denken. Das ist nur zu verständlich. Es ist für uns unlogisch, die gleiche Handlung nur in einer Richtung erledigen zu können. Dennoch gibt es bei jedem von uns solches Verhalten.

Kein Mensch kann uns dazu zwingen, fröhlich zu sein, Angst zu haben, uns zu ärgern. Die Bereitschaft dazu entsteht in jedem Menschen selber, basierend auf unserer individuellen Lebenserfahrung. Wir sind die Erzeuger unseres eigenen Erlebens. Jede unserer Entscheidungen wirkt auf unser Erleben ein.

Externalisierung

Wenn uns eine Angst befällt, dann haben wir das Gefühl, ihr ausgeliefert zu sein, nichts an diesem Gefühl ändern zu können. Sind wir unzufrieden, dann haben wir das Gefühl, dass uns die gegebenen Lebensumstände handlungsunfähig machen. Auch der Ärger über die Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr hinterlässt uns ratlos – wir sind ja gezwungen, jetzt und hier unterwegs zu sein.

So gibt es immer einen Grund für unsere negativen Empfindungen – denken wir. Wir sind sicher, etwas mache uns Angst oder schlechte Laune oder löse in uns Sorgen aus oder ärgere uns – und lasse uns keinen Spielraum. Mit dieser Sicht aber begeben wir uns in eine Abhängigkeit von einem Etwas, geben diesem Macht über uns und damit (freiwillig) die Kontrolle ab. In der Fachsprache nennen wir das Externalisierung, also die Verlagerung der Zuweisung für Gefühle nach außen.

Aus Erfahrung Angst

Wenn wir abhängig sind, wenn wir auf dem Beifahrersitz hocken, können wir aber nichts ändern. Wir beschränken unsere Handlungsalternativen freiwillig auf das Zuschauen.

Wir können aber die Verantwortung selber wieder übernehmen (und so auf den Fahrersitz rutschen), um die Kontrolle zurück zu bekommen und festzustellen, dass wir die treibende Kraft in unserem Leben sind.

Wer diese Kontrolle in seinem Leben hat, versteht, dass wir selber uns die Angst, die Sorgen und den Ärger generieren – indem wir unwillkürlich auf einen äußeren Impuls reagieren. Wir lenken nach rechts. Immer nur nach rechts. Hier wirkt unsere Erfahrung, aus der unsere Verhaltensmuster entstehen.

Unser Empfinden neu empfinden

Genauso wie wir nach rechts lenken können, können wir uns aber auch ganz bewusst entscheiden, in die andere Richtung zu fahren. Wir können versuchen, in einer typischen Situation der Angst nicht das Feld zu überlassen. Dazu können wir zunächst deutlich „Stop!“ sagen und diese Angst beobachten. Was genau löst sie in mir aus? Welche Erfahrungen aus meinem Leben sprechen aus ihr? Wie rational ist diese Angst wirklich? Dann können wir bewusst dagegen halten – zum Beispiel mit rationalen Argumenten oder auch einer gewissen Gleichmut.

Wir haben uns entschieden, zum Mond zu fliegen ...
nicht, weil es einfach ist, sondern eben, weil es schwierig ist.
(John F. Kennedy, 1962)

Sie können sich in jeder Situation bewusst entscheiden, Ihren gewohnten (und bequemen) Denkwegen nicht nachzugeben, sondern eine Alternative zu suchen – eben links lenken, statt immer nur rechts.

Am Anfang steht immer, das eigene Denkmuster zu erkennen und den automatischen Gedankenfluss zu unterbrechen. Stop! Der nächste Schritt ist, die Gedanken anzunehmen und sie nicht zu bewerten. Anschließend steuern Sie bewusst dagegen, so gut es Ihnen möglich ist. Danach schauen Sie, was passiert und wie sich das Ergebnis für Sie anfühlt.

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