Dezember 14, 2018

Das bin ich gar nicht

Vielleicht möchte ich jemand sein, der ich aber nie sein kann oder sein werde. Vielleicht wird es Zeit, sich damit auseinander zu setzen.

Das bin ich gar nicht

Gar nicht mal so einfach. Nachdenken über das Wesentliche im Leben. Das “höhere sinnstiftende Element”, wie es mein Freund Dietmar Schüller nennt. Der Faktor also, der mein Leben aus meiner Sicht zu einem  Baustein der Menschheit macht. Er mag winzig klein sein, aber als  Steinchen immer von Bedeutung.

Ich  habe mir seit Jahren so meine Gedanken zu den Dingen und Geschehnissen  im Leben gemacht. Ich habe das große Geschenk bekommen, mein eigenes  Leben in aller Ruhe und Zeit anschauen und reflektieren zu können. Für  mich durfte ich heraus finden, dass mein gelebtes Leben nicht mein  gewünschtes Leben war. Viele Menschen haben bei allem gesellschaftlichen  Druck dazu gar keine Chance.

Seit  Jahren suche ich danach, irgendwo etwas Besonderes zu sein. In  irgendeiner Nische und sei sie auch noch so klein. Ich wollte eine  Stimme haben, wollte gehört und reflektiert werden. Ich habe nach dem  Widerspruch anderer gesucht, um mich entwickeln zu können, um dann  wieder etwas Neues beizutragen. Aber ich habe diese Nische nie gefunden.  Einerseits, weil ich mich eher von anderen begeistern lasse und auf  deren Ideen weiterdenke. Andererseits aber auch, weil ich irgendwie  keinen roten Faden finde, an dem ich entlang denke und entwickeln  könnte. Dafür interessiert mich einfach viel zuviel.

Leben im Detail und Surfen an der Oberfläche

Schon  in meiner langen Zeit in einem amerikanischen IT-Konzern habe ich die Menschen bewundert, die die kleinsten Details von Themen kannten, die  mich entführen konnten in eine Welt, die ich nie gesehen hatte. Häufig  haben sie mich in diesen Detailwelten verloren, weil ich so tief unter  der Oberfläche scheinbar nicht mehr atmen kann. Vielleicht ist das auch  der Grund, dass sich diese Welten tief tief im Detail — so faszinierend  sie auch sind — mir nie erschlossen haben.

Da  bin ich eher Generalist. Ich surfe auf der Oberfläche und genieße den  weiten Horizont. Da kann ich all die Themen sehen, die für mich  interessant und spannend sind, die mir nahe gehen, mich triggern und  mich locken, tiefer in sie hinab zu tauchen. Manchmal mache ich das  auch. Dann buddel ich mich in den Boden und finde z.T. Wertvolles auf  dem Weg ins Detail. Aber ich baue nie etwas aus. Ich grabe nie eine  Höhle, in der ich es mir gemütlich mache und mich aufhalten kann. Ich  spüre irgendwann, dass ich wieder nach oben will und mir die Aussicht an  der Oberfläche fehlt.

Vielleicht  liegt es auch daran, dass ich mich nicht so einfach auf ein Thema  festlegen kann, wenn man mich fragt, womit ich mich beschäftige. Auch  deswegen ist es vermutlich für mich schwer, gehört zu werden, weil ich  immer denke, dass nur der, der in der Tiefe lebt und wirkt, etwas zu  sagen hat. Der der oben “nur” den Überblick hat, kann ja nicht viel zu  einer Sache berichten. und der Überblick scheint mir dann auch nicht  sonderlich berichtenswert. Glaube ich. Aber ich empfinde eine  unglaubliche Freude dabei, wenn sich die Themen, die ich von der  Oberfläche kenne und bis zu einer bestimmten Tiefe erfahren habe,  verbinden. Wenn Dinge beginnen, logisch zusammen zu hängen.

Abschied nehmen

Deswegen  habe ich mich zuletzt zurück gezogen. Ich nutze Soziale Medien nicht  mehr, um mir ein Gesicht, ein Gehör und Wahrnehmung zu verschaffen,  sondern, um für mich zu lernen. Ich habe wieder meine Kontaktlisten  ausgemistet und nur jene behalten, die ich für mich als wertvoll  betrachte. Ich lerne damit besser und fokussierter. Das Gelernte werde  ich verarbeiten, in mein Leben einbringen und mit den Menschen teilen,  die um mich herum sind. Aber ich werde keine Bücher schreiben, nicht mal  mehr auf irgendwelche Veranstaltungen gehen, wenn sich alles nur darum  dreht, andere auf dem Laufsteg ihrer Themen zu bewundern.

Für mich ist das ein Abschied von einer Vision von meiner selbst. Ich fand die bisher gut,  habe aber gespürt, dass ich mich sehr anstrengen und verbiegen muss, um  ihr gerecht zu werden. Die Lehre daraus ist, dass ich das nicht bin. Ich  bin kein Buchautor und nicht einmal ein Autor von Fachartikeln. Ich bin  kein Vordenker, kein Creative Thinker oder sowas. Jetzt bin ich nur  noch gespannt darauf, wer ich stattdessen werde. Stay tuned.

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