Als ich gerade zehn Jahre alt war, kam ein großartiger völlig neuartiger Film in die Kinos: “Star Wars”. Schon der im Nirgendwo verschwindende Eingangstext war schnell Kult. Alles war neu und fesselnd an diesem Film und für zwei Stunden konnten wir völlig in einer mächtigen Vision der Zukunft versinken.

Science Fiction Filme sind über viele Jahre mein Lieblingsgenre gewesen, weil ich in ihnen meiner eigenen sehr problematischen Gegenwart entkommen konnte. Alle möglichen Raumschiffe und -gleiter entstanden aus meiner Lego®-Sammlung. Noch heute zücke ich manchmal mein virtuelles Laserschwert, um mich gegenwärtiger Ärgernisse zumindest in der Fantasie wirksam zu entledigen.

Das Zukunft-Sorgenkarusell

Diese Gedanken klingen fast unschuldig verglichen mit der quälenden Zeit, die ich in schlaflosen Nächten in der Zukunft verbracht habe. Dabei ging es um eine scheinbar realere Zukunft. Die Sorgen, die Herausforderungen schienen deutlich näher zu sein und es gab keinen Millenium Falcon, mit dem ich hätte entfliehen können. Ich musste mich dieser Schlacht selber stellen, dachte ich. Aber nachts ist ein schlechter Zeitpunkt, diese Schlacht zu kämpfen.

Ich habe mich über Monate hinweg damit abgefunden, irgendwann mitten in der Nacht in dem sich bedrohlich drehenden Sorgenkarusell aufzuwachen und die immer gleichen Gedankenspiele durchzugehen. Immer auf der Suche nach einer cleveren Lösung für meine immer gleichen Probleme, die aber auf diese Weise nie zustande kam. Nach solchen durchwachten Nächten war ich am Tag kaum zu gebrauchen. Selbst dann holte mich in ruhigen Momenten mein Sorgenkarusell auf einen Ritt ab. Immer im Kreis. Immer im gleichen Kreis.

\"Zukunft

Blick in die Glaskugel

In solchen Nächten habe ich ständig daran gearbeitet, mir Visionen für die Zukunft zurecht zu legen. Was passiert, wenn… Jede Nacht bin ich die gleichen Szenarien durchgehechelt und habe versucht, mich auf alle Eventualitäten, die in den nächsten Monaten auf mich warten könnten, vorzubereiten. Ich wollte einfach wissen, was passieren kann und wie ich dann damit umgehe.

Heute macht mich die Erinnerung daran sehr betroffen und traurig. Ich sehe mich in meiner Hilflosigkeit, in der ich versuche, mit völlig ungeeigneten Mitteln meine Gegenwart zu entlasten, indem ich meine Zukunft vorher sage. Aber meine Glaskugel hat nie funktioniert, denn es kam fast immer anders. Keines meiner mit soviel Energie bezahlten Szenarien traf jemals ein. Stattdessen hatte das Universum viel positivere Entwicklungen eingeplant – auf die ich aber auch nicht vorbereitet war.

Absprung von der Achterbahn der Sorgen

Wer grübelnd seinen Tag und seine Nacht verbringt, begibt sich in einen negativen Sog. Dann werden die gruseligsten Geschichten geschmiedet, die fast nie ein Happy End haben. Der Zwang – die Sucht – alles sehen und vorhersehen zu können, ist so groß, dass wir damit nicht aufhören können. Das wäre ein Betrug an uns selbst. Wir wollen vorbereitet sein. So sitzen wir in der nicht enden wollenden Achterbahn der Sorgen in der Hoffnung, einen Ausgang zu finden.

Was auch immer aber ein Mensch in seinem Kopf an Gedanken und Ideen jongliert, die Zukunft wird er damit nicht ändern. Die Zukunft gehorcht allein ihren eigenen Gesetzen und das Wichtigste davon ist, dass sie kommt, wie sie kommt. Erst in dem Moment, wenn die Zukunft für einen Augenblick Gegenwart wird und dann schon Vergangenheit ist, werden wir sie sehen können. Dann müssen wir die Kraft und den Fähigkeiten haben, mit dem umzugehen, was die Zukunft mit sich bringt. Das nennen wir “Resilienz”.

\"Achterbahn

Mit unserem Streiten in der virtuellen Zukunft verplempern wir die Energie, die wir im Hier und Jetzt brauchen, um den Herausforderungen des Heute zu begegnen. So bleibt bei allem, was uns in der Zukunft so wichtig scheint, häufig die Gegenwart auf der Strecke und wir verpassen es, in unserem einzigen wirklichen Moment zu leben: Im Jetzt.

Ja-Sagen zum Jetzt

Wer aus diesem ganzen Zirkus aussteigen will, braucht eine Kraft, die Wunder wirken kann: Akzeptanz. Die Kraft, das zu akzeptieren, was mir das Leben gibt, so belastend es auch sein mag, ist der einzige Weg, das Leben zu bewältigen. Wer mit der Gegenwart zaudert, der Vergangenheit nachweint oder in Angst vor der Zukunft lebt, bewegt sich nicht, sondern ist in sich selbst gefangen. Wer aber bereit ist, das anzunehmen, was ist und den Umgang damit zu versuchen, handelt und bewegt sich.

Ein dem Theologen Reinhold Niebuhr zugeschriebenes Gelassenheitsgedicht bringt diese Haltung zum Ausdruck:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und
die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Glauben Sie mir, dass in meinem Leben eine Menge schmerzhafter Dinge passieren mussten, bevor ich verstanden habe, dass ich meine Lebensenergie am besten im aktiven Handeln einsetze. Dazu braucht es die Akzeptanz dessen, was ist. Es braucht das Bewusstsein des Hier und Jetzt.

Ich hole Sie in Ihrem Sorgenkarussell ab. Wir fahren miteinander und suchen gemeinsam Ihren Ausstieg. Der Weg zur Akzeptanz kann steinig sein, aber es lohnt sich und wird Sie befreien. Sie werden in Ihrem eigenen Leben wieder der Chef, der das Heft des Handelns in der Hand hält.

Sprechen Sie mich an.


Blogger, Coach, Consultant, Mediator und Psychologischer Berater.
Social Business Evangelist, Experte für achtsame Führungsmodelle, Cultural Change Manager, Werte durch Werte, Working out Loud

2 comments

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