Wir leben seit einigen Jahren in einer Welt, in der soziale Medien eine immer größere Rolle spielen. Die Benutzerzahlen auf sog. sozialen Plattformen wie Twitter, Instagram oder Facebook explodieren. Berichte in diesen Medien finden den direkten Weg in die konservativen Medien wie Fernsehen oder Zeitung.

Der arabische Frühling begann – wenn diese Geschichte im Westen auch gerne etwas überromantisiert wird; tiefere Einblick dazu gibt es in Wael Ghonims  Revolution 2.0 – auf Twitter und das gleiche Medium nutzt auch der sog. Präsident der Vereinigten Staaten für den Großteil seiner Öffentlichkeitsarbeit.

Gleichzeitig spüren immer mehr Menschen aber auch, dass diese Medien den Begriff sozial immer häufiger nicht verdient haben. Unsoziales Verhalten jeder Couleur zieht sich durch den Urwald der Nachrichtenmassen und zieht immer häufiger Kritik auf sich. Gleichzeitig wird offensichtlich, dass sich Menschen intensiver um ihre \"Freunde\" in der virtuellen Welt als in der realen Welt kümmern.

Warum heissen die Dinger dann \"sozial\"?

Der Begriff sozial ist die eher schwierige Direktübersetzung des englischen Begriffes social. So ähnlich sich die beiden Begriffe auch sind, so unterschiedlich ist ihre inhaltliche Bedeutung in den jeweiligen Sprachen.

 

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p style=\"text-align: right;\">Bild: Aditya Romansa on Unsplash

 

Im Deutschen bezeichnet sozial eine Orientierung an den Werten der Allgemeinheit. Mit diesem Prädikat versehen wir Engagement für Andere, Berufe, die sich um das Wohl Hilfebdürftiger kümmern oder grundsätzlich eine positive Einstellung für das Wohl der Gesellschaft – im Gegensatz zu einer selbstzentrierten Lebenseinstellung.

Der englische Begriff social hat dagegen einen anderen Schwerpunkt. Er betont stärker das Gemeinsame, das Verbindende. So sind "social activities" Dinge, die man mit anderen macht. Wir kennen das auch vom eingedeutschten "Socialising".

Social ist kaum übersetzbar

Vor diesem Hintergrund ist auch der Begriff Social Collaboration entstanden, auch wenn er so gesehen "gedoppelt" wirkt. Hier geht es also nicht nur darum, Informationen auszutauschen, sondern dies gemeinsam und unter Beteiligung aller zu tun. Hier kann jeder Anteil haben.

So sind die sog. Social Intranets eine Weiterentwicklung der ursprünglichen unternehmensinternen Kommunikationsplattformen. Diese wurden dazu genutzt, abgestimmte Informationen "von oben nach unten" weiter zu geben. Die Social Intranets setzen zusätzlich auf die Beteiligung aller. Jeder Mitarbeiter bekommt Werkzeuge wie Bewertung ("Like"), Teilen ("Share") oder das Verfassen eigener Kommentare an die Hand.

 

So fließt die Information nicht nur durch das Unternehmen. Sie wird durch die Beteiligung aller angereichert. Erst diese Anreicherungen machen die Information für die Zielgruppe relevant und wertvoll.

Social Collaboration geht noch weiter. Indem die Mitarbeiter über organisatorische, regionale und kulturelle Grenzen hinweg eine Plattform für offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit zur Verfügung haben, kann eine Organisation das volle Potential seiner Mitarbeiter erst nutzbar machen. Dort, wo Mitarbeiter nicht nur bewerten, sondern eigene Informationen zum Wohle aller generieren können, bekommen sie eine neue Chance auf Wahrnehmung, Wertschätzung und das Gefühl von Selbstwirksamkeit.

So kann aus einem Social Environment heraus auch eine soziale Wirkung entstehen.


Blogger, Coach, Consultant, Mediator und Psychologischer Berater.
Social Business Evangelist, Experte für achtsame Führungsmodelle, Cultural Change Manager, Werte durch Werte, Working out Loud

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